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Wie die Leinenaggression unseren Alltag bestimmt hat

Aktualisiert: 18. Juni 2022


Wie die Leinenaggression unseren Alltag bestimmt hat
Leinenaggression beim Hund

Spießrutenlauf vs. entspannte Spaziergänge


Real Talk - So fing alles an


Heute möchte ich dir mal unsere ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Leinenaggression bzw. Leinenreaktivität erzählen.


Als für uns feststand, dass ein Hund unser Leben bereichern sollte, hätte ich mir nie Gedanken gemacht, dass mir so etwas mal passieren würde.

In meiner Jugend hatte ich eine Havaneserhündin, die friedlich zu Mensch und Tier war. Wenn man so will, war sie wirklich ein Anfängerhund. Zum Glück – denn ich weiß nicht, ob ich sonst nicht in Selbstzweifeln ertrunken wäre oder bereits aufgegeben hätte, seitdem Mali in unser Leben kam.


Hatte ich gezielt einen Tierschutzhund gesucht? NEIN. Hatte ich gezielt einen Hund mit unbekannter Vergangenheit gesucht? AUCH NEIN. Hatte ich gezielt einen Hund mit schlechten Erfahrungen bei den Vorbesitzern gesucht? SELBSTVERSTÄNDLICH NEIN.

Aber es kam so, wie es kommen sollte. Und natürlich hatte ich mich auf den ersten Blick in die süße Maus verliebt. Mit 11,5 Monaten natürlich verspielt, ungestüm und unsicher. Aber auch lieb – und natürlich bildhübsch. Ich gebe ehrlich zu, dass das Aussehen schon MIT eine Rolle gespielt hat.


Traumhund oder Seelenhund


Wohl überlegt hatte ich mir aber, dass es ein Hütehund sein sollte. Denn ich wollte ja Hundesport machen. Und ein Australian Shepherd war schon in meiner Jugend einer meiner Traumhunde. Es sollte übrigens auch gerne ein Mischling sein. Denn ich hatte damals einen Rassehund und fand das fast langweilig. Auch gerne bunt. Denn auch das reine Cremeweiß meiner Havaneserhündin kam mir irgendwie so fad vor. Tricolour war schon seit Jahren mein Favorit. Denn nachdem die Merles lange so gehypet wurden, fand ich immer mehr Gefallen an den Tris.



Von der Unsicherheit zur Leinenaggression


Zu Beginn hatte ich die Hoffnung, dass Mali sich nach wenigen Wochen im Freilauf bewegen könnte. Dass sie viele Hundefreunde haben würde. Und dass wir unsere Spaziergänge voll und ganz genießen würden.


So ließ ich sie im guten Glauben zunächst an der Leine zu den meisten Hunden hin, da ich meinte, Kontakt zu Artgenossen sein wichtig und sinnvoll. Ich merkte aber schnell, dass das nicht jeder Hund – und auch nicht schon in den ersten Tagen begann sie sich bei Hundesichtungen – auch schon aus der Ferne – hinzulegen und ließ sich nicht mehr vom Platz wegbewegen. Passierten die anderen Mensch-Hund-Teams uns, sprang sie im letzten Moment auf den fremden Hund zu.

Damals dachte ich: Sie möchte wohl spielen.


Ich bekam den gut gemeinten Rat, ihr diese Unart, sich hinzulegen, schnellstmöglichst abzugewöhnen. Schön und gut – aber wie sollte ich das anstellen?


Ich war zwar schon mit meiner 1. Hündin in einer Hundeschule und hatte zum Glück das gewaltfreie Training kennenlernen dürfen. Doch in dieser Situation fühlte ich mich hilflos. Leider hatte meine ehemalige Hundeschule zu dem Zeitpunkt noch keinen Platz für uns im Erziehungskurs. Und ich hatte geglaubt, Einzelstunden seien nicht notwendig. So zog ich Mali zur Seite, wenn sie sich hinlegen wollte. Das schien im Nachhinein leider kontraproduktiv zu sein.


Leinenaggressivität - und nun?


Als sie dann nach einigen Monaten das erste Mal an der Leine eskalierte, als uns ein Mensch-Hund-Team passierte, war ich sichtlich erschrocken und zog sie zur Schadensbegrenzung natürlich direkt vom anderen Hund weg. Wenn man sich etwas genauer mit Hundetraining und Hundeverhalten beschäftigt, weiß man, dass genau das ein Erfolgserlebnis für den Hund sein kann und sein Verhalten eher verstärkt.


Ich möchte in diesem Beitrag jedoch auf Trainingstipps verzichten!

Nur so viel: Solltest du dir unsicher sein bzw. bemerken, dass dein Hund unsicher bei Begegnungen ist, wende dich möglichst rechtzeitig an einen Hundetrainer – möglichst in Richtung Trainieren statt Dominieren. Eigne dir Fähigkeiten an, um achtsam seine Körpersprache und -signale wahrzunehmen und entsprechend zu deuten. Das wird dir nicht nur bei Begegnungen nützliche Dienste erweisen.


Geht das wieder weg? Oder: Eine selbst erfüllende Prophezeiung


Ich hatte damals gehofft, dass es nur eine einmalige Sache ist. Doch meine Hundetrainerin, bei der ich inzwischen mehrere Kurse besuchte, warnte mich vor: „Das wird schlimmer werden!“


Sie behielt leider Recht. Vielleicht war das am Ende auch eine selbst erfüllende Prophezeiung für mich. Seitdem glichen unsere Spaziergänge einem Spießrutenlauf.

Ein Teufelskreis begann...


Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht


Ich ging leider von Anfang an meist ganz im Stress direkt nach der Arbeit mit Mali los – aus schlechtem Gewissen heraus, dass sie so lange warten musste, bis ich wieder zurück bin. Leider war ich am Anfang auch den Stimmen aufgesessen, die behaupteten, ein Hütehund brauche mindestens 3 bis 4 Stunden Bewegung am Tag. Später erfuhr ich, dass gerade mit Tierschutzhunden ganz anders verfahren werden sollte. Und dass Ruhe vor allem für Hütehunde das Wichtigste ist.


Wenn ich dann auf dem Spaziergang auch nur von weitem einen Hund kommen sah, versuchte ich möglichst weit in eine Einfahrt oder ein Waldstück hineinzugehen, sodass die Distanz möglichst vergrößert wurde. Doch es reichte oft schon, wenn sie einen anderen Hund am Horizont sah.


Der Hund: Spiegel der Seele


Leider geriet ich beim Anblick anderer Hunde regelmäßig in Panik, weil ich wusste: Mali wird gleich eskalieren. Ich habe keine Kontrolle mehr über sie. Obwohl ich betonen möchte, dass ich sie bisher immer sichern konnte – es ist nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen! Diese Panik - und auch eine unterschwellige Wut gegenüber der Ignoranz so mancher Hundehalter - übertrug sich dann ungewollt auf Mali, sodass sie selbstverständlich unsicher wurde und versuchte, den fremden Hund zu verbellen.


Das wiederum versetzte mich in weiteren Stress und ich fühlte mich nicht selten überfordert. Natürlich waren Spaziergänge – die ich an sich so geliebt habe und die der Hauptgrund für die Anschaffung eines Hundes für mich waren – nun kein Anlass zur Freude oder Entspannung mehr.


Die Wende


Irgendwann erfuhr ich vom Thema Management. Zum Teil hatte ich es unbewusst betrieben, indem ich dafür sorgte, die Distanz zu vergrößern. Ich begann, unsere Spaziergänge zu kürzen. Häufiger Oneway-Strecken zugehen, anstatt Runden zu laufen. Eine Zeitlang fuhren wir nur noch in etwas entfernte Waldstücke, in denen wenig los war und in denen man die Wege gut einsehen konnte. Das alles hat wirklich Druck rausgenommen und uns nach langer Zeit wieder entspannen lassen.


Das sollte für uns natürlich keine "Für immer"-Lösung sein – aber so trauen wir uns seit einigen Monaten endlich wieder, in unserer Gegend spazieren zu gehen. Auch wenn hier leider so manche Hunde ein rotes Tuch für sie sind. Ihre Leinenaggression ist noch nicht verschwunden. Aber ich kann Mali schneller aus potenziellen Stresssituationen herausholen. Ich kann gelassener damit umgehen, wenn sie sich doch in die Leine hängt. Ich kann sie souverän aus diesen Situationen herausführen. Und sie kann sich selbst schneller wieder aus der hohen Erregungslage herausholen.


Unsere Erfolgsformel: Stressreduktion - Training - Mindset


Zwischendurch ist viel passiert: Ich habe mich mit meinem eigenen Stresslevel und dem meines Hundes auseinandergesetzt. Ich habe sogar eine Ausbildung für meine eigene Stressreduktion und Entspannung und eine weitere für die meines Hundes gemacht. Wir waren weiterhin in der Hundeschule und haben in mehreren Workshops im Begegnungstraining teilgenommen.


Und: Ich habe mich auch mit meinen inneren Themen auseinandergesetzt. Mit meinen Glaubenssätzen, meinem inneren Kind und meinem Mindset. Diese Kombi hat mir so viel Selbstvertrauen und Mut gegeben. Ich bin achtsamer mit Mali und mit mir. Ich habe mehr Verständnis für und Vertrauen in sie. Ich bleibe im Moment und bei uns. Denn mein Fokus liegt auf UNS – nicht auf den vermeintlichen Stimmen im Außen. WIR sind wichtig. Erst dann können wir als Team wirklich funktionieren.


Lass dir helfen und finde in deine innere Balance


Hast du vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht und noch keine hilfreiche Lösung für euch gefunden?

Seid ihr vielleicht bereits im Training? Aber das allein hat nicht den gewünschten Effekt? Weil das Stresslevel deines Hundes noch zu hoch ist? Oder weil du nicht gelassen reagieren kannst?


Genau für diese Fälle habe ich mein Ganzheitliches Entspannungscoaching für Mensch und Hund – kreiere deine persönliche Dog-Soul-Balance entwickelt. Wir schauen uns eure Themen an, entwickeln Routinen und Stressbewältigungsstrategien für euren Alltag. Wir arbeiten an deinen Glaubenssätzen – auch im Zusammenhang mit deinem Hund. Und du erlernst das Autogene Training als wertvolles Entspannungstool.


Denn: Bist du in deiner inneren Balance, kannst du auch gelassener mit deinem Hund umgehen und ihn aus Stresssituationen herausholen.


Wenn das mit dir in Resonanz geht, dann fass dir ein Herz und melde dich sehr gerne bei mir. Wir besprechen, ob und wie ich dir bestmöglich weiterhelfen kann.


Ich freue mich auf dich – und auf deinen Hund!

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