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REHA-Blog (TEIL 8)

Das 2. Wochenende


Freitag, 13.10.2023

Der 1. Termin am heutigen Freitag beginnt erst spät. Also kann ich in Ruhe zum Wassertreten und anschließend zum Frühstück gehen. Mir ist allerdings noch nicht wieder richtig wohl. Und ich bin auch noch mit einem leichten Schnupfen aufgewacht - hoffentlich habe ich mich nicht bei meiner Tischnachbarin angesteckt!


Termine, Termine

Um 9 Uhr beginnt dann meine Druckstrahlmassage. Ich erwähne, dass ich bisher immer in der anderen Kabine war. Daraufhin gibt die Dame zu, dass die Geräte dort neuer und damit besser (= „Intensivere Wirkung“) sind, und lässt mich dorthin gehen.

Ich kaufe mir das 1. Mal Waschmünzen, da nach 1,5 Wochen doch schon einiges an Wäsche anfällt. Dann genieße ich die frische Luft draußen.

Wirbelsäulengymnastik ist anstrengend, aber effektiv. Im Anschluss habe ich 15 Minuten Pause bis zum Walken. Ich schließe wieder weit vorne auf und komme erneut ins Gespräch mit der Dame, die mich beim letzten Mal wegen meiner Gitarre ansprach.


Patientin oder Therapeutin?

Nach einer Weile komme ich mit einer älteren Dame ins Gespräch, die neu angereist ist. Nachdem ich den Tod meines Papas erwähnte, überschwemmt sie mich mit Informationen über den Tod ihres eigenen Vaters. Und über den ihres Hundes. Sie erwähnt, sie hätte ihn erlösen lassen. Ich erinnere mich an einen Beitrag, den ich vor kurzem las, in welchem die Einschläferung eines Tieres sehr kritisch betrachtet wurde, im Hinblick auf die Abschiedsbegleitung eines Tieres. Diese Gedanken verschweige ich der Dame jedoch besser. Ich stelle fest, dass jeder hier sein Päckchen zu tragen hat. Und auch, dass es mir in dem Moment schwer fällt, die Themen anderer Menschen zu halten, wo ich mich hier doch ganz intensiv mit meinen eigenen Themen auseinandersetzen möchte.


Enges Timing

Nach dem Walken ist die Waschmaschine noch besetzt. Ich versuche die Zeit abzupassen. Die Waschzeit ist bereits abgelaufen. Ich überlege kurz, ob ich die Wäsche selbst aus der Maschine nehme. Doch die Vorstellung, jemand würde meine (Unter)Wäsche in die Hand nehme, fände ich auch nicht prickelnd. Da kommt eine Dame aus dem Fahrstuhl. Es ist ihre Wäsche. Sie wollte ursprünglich eine zweite Ladung in die Maschine geben. Doch lässt mir schließlich den Vortritt. Als ich gerade den Startknopf drücken möchte, erscheint gerade ein Handwerker zur Reparatur der 2. Waschmaschine (Eine Waschmaschine für die ganze Klinik ist halt auch echt wenig). Ich kann trotzdem waschen. Glück gehabt!


Beim Essen sitze ich wieder mit meiner Tischnachbarin zusammen. Heute gibt es für mich Kartoffeln und Blumenkohl mit Salat. Wirklich ausgewogen :D

Meine Tischnachbarin berichtet von ihrem Arzttermin bzgl. ihres Blutdrucks. Ich bin dankbar, dass meine Blutdruckwerte scheinbar in Ordnung sind. Das erspart mir ab jetzt das tägliche Blutdruckmessen.


Auf dem Zimmer lese ich in meiner Zeitschrift. Und im Anschluss kann ich die Wäsche aus der Maschine nehmen und zum Trocknen aufhängen bzw. in den Trockner werfen. Dazu komme ich sehr knapp zum nächsten Termin: Dem Genusstraining.


Genussmittel?

Die Diätassistentin legt mir bei der Geschmacksprobe tatsächlich KÄSE auf die Hand (Ich bin froh, dass sie mir gestattet hat, vorher nachzuschauen)! Die Erdnuss und die dunkle Schokolade probiere ich dann. Allerdings ist der Effekt durch das Anschauen etwas verpufft.


Auch der visuelle Teil ist sehr interessant und es zeigen sich faszinierende Effekte.

Zum Hören gehen wir nach draußen und lassen uns auf alle Geräusche ein, die wir in der näheren und weiteren Umgebung wahrnehmen können. Achtsamkeit pur!


Ab nach draußen

Nachdem ich den Trockner geleert und einen Snack zu mir genommen habe, treffe ich mich mit meiner Tischnachbarin. Ich zeige ihr den wunderschönen Panoramaweg und wir setzen uns kurz auf die Bank. Dann wird uns zu heiß und wir wandern zurück zur Terrasse. Dort ist ein wenig Schatten. Meine Begleiterin möchte in ihrem Buch lesen. Ich habe keins mit runtergenommen.

Dafür gehe ich eine Weile spazieren. Ich komme an einem Parkplatz und einem Haus mit einem Türmchen und einem Fliederstrauch an. Daneben wächst ein Maronenbaum. Ich mache ein paar Fotos, filme zwei Greifvögel in der Luft (Kaum erkennbar) und sammle ein paar Maronen und eine Maronenhülle auf. Auf dem Rückweg nehme ich die Umgebung ganz bewusst mit meinen Sinnen wahr: Ich betrachte das Grün und Gelb der Blätter. Ich höre das Knistern des Laubs unter meinen Füßen. Ich rieche die Bäume, das Moos. Ich taste die Stacheln der Maronenschale in meiner Hand und das Laub unter meinen Füßen.


Abendprogramm

Beim Abendessen kommt das Thema Sterbebegleitung von Tieren und Kastration von Tieren auf. Interessanterweise haben wir heute nämlich beide von den Erzählungen anderer Mitpatientinnen diesen Impuls erhalten.


Nach dem Essen vergleichen wir unsere neuen Terminpläne, die heute Mittag in unserem Fach lagen. Ich frage mich jetzt schon, wie ich das alles (zeitlich) schaffen soll!

Nachdem meine Tischnachbarin auf ihrem Zimmer verschwunden ist, fasse ich mir ein Herz und gehe mit meiner Gitarre nach unten. Ein Mitpatient spricht mich auf dem Weg an und wir unterhalten uns über unsere Erfahrungen mit verschiedenen Musikinstrumenten. Ein weiterer Mitpatient, der neben mir wohnt, möchte gerade in seinem Zimmer verschwinden. Ich frage ihn, ob ihn das Gitarrenspiel in meinem Zimmer stört. Er verneint. Er sei vor 23 Uhr sowieso selten auf dem Zimmer. Aber ich könne auch das Musikzimmer bis 22 Uhr nutzen.


Musikkonzert

Dort angekommen schaue ich die Noten auf dem Klavier durch, die dort jemand hinterlassen hat. Ganz oben liegt tatsächlich die Trauerversion von „Mögen Engel dich begleiten“. Eines der Lieder, die wir für die Trauerfeier meines Papas ausgewählt hatten!

Ich spiele das Lied auf dem Klavier. Da nur die Melodiestimme und Akkorde angegeben sind, versuche ich, die Begleitstimme zu improvisieren. Das klingt sehr gut. Auch „Von guten Mächten“ ist unter den Noten zu finden. Ein weiteres Lied auf der Trauerfeier.

Im Anschluss spiele ich Gitarre mit meinen eigenen Noten. Anfangs ist das Fenster auf. Es sitzen noch viele Menschen unten auf der Terrasse, obwohl schon die Dunkelheit hereingebrochen ist. Es scheint aber niemand auf mein Spiel zu reagieren. Vielleicht ist es hier tatsächlich schallgeschützt?


Einerseits bin ich dankbar dafür, meine Ruhe zu haben. Andererseits finde ich es schade, dass niemand dazu kommt, nachdem ich ja bereits 2x auf meine Gitarre angesprochen worden bin.


Pflegeprogramm

Gegen 20 Uhr gehe ich zurück aufs Zimmer. Mein rechter Unterbauch bzw. mein Bein schmerzen seit Ende des Musizierens. Auch meine Waden fühlen sich sehr angespannt an. Ich bin froh, eine Auswahl an Ätherischen Ölen dabei zu haben. Also öle ich meine Waden mit Zypresse ein. Dann auch meine Füße, meine Hände, meinen Rücken und meinen Hals. Für meinen Unterbauch verwende ich lieber Clary Sage.  Dann schaue ich ein paar Folgen meiner Comfortserie „Die Dinos“ und löse dabei Kreuzworträtsel (Ich lieb`s). Erst jetzt fällt mir auf, dass heute ein Mentor-Teaching zu meiner Ausbildung zum Wise Animal Mentor gewesen wäre. Zum Glück gibt es eine Aufzeichnung.


Samstag, 14.10.2023 

Nach dem Wassertreten kann ich meine trockene Wäsche mit nach oben nehmen. Beim Frühstück beschließen meine Tischnachbarin und ich, uns für das heutige Mittagessen abzumelden. So können wir uns länger in der Stadt aufhalten.


Ab in den Kurpark

Nachdem wir draußen das Wetter geprüft haben, entscheide ich mich für eine Jacke und stecke meinen Schirm ein. Im Kurpark angekommen, beginnt es tatsächlich zu regnen. Wir stellen uns eine Weile unter und betrachten die Termine für Oktober und die Einlagen in den Schaufenstern. Eine Musik lacht uns an. Als wir dieser folgen, entdecken wir ein Wasserspiel zu musikalischen Klängen. Das ist wirklich cool.


Shoppingtour

Zuerst kaufe ich mir ein schönes Stirnband. Bei Müller kaufe ich Brot, Aufstrich, Snacks und eine schöne Kerze mit Batterien. Etwas bereuen wir, unsere Einkäufe bereits zu Beginn unserer Tour gemacht zu haben. So dürfen wir sie mit uns herumschleppen.

Wir suchen im Anschluss ein Restaurant. Wir finden jedoch nur einen Griechen, den Ratskeller und das Restaurant von letzter Woche. Hier gehen wir also noch einmal hin.

Ich entscheide mich für eine Flädlesuppe und warmen Tortellinisalat – beides nicht glutenfrei und vegan. Aber ich müsste für alles auf der Karte eine Ausnahme machen. Also besser für etwas, das mir auch sicher schmecken wird (Wie lange hatte ich schon keine Tortellini mehr?!). Wir lauschen währenddessen dem Dialekt der um uns herumsitzenden Gäste. Meine Tischnachbarin hat ein Ohr dafür.


Im Anschluss ziehen wir weiter und entdecken einen „Deko-Laden“ mit teils romantischen, teils kitschigen Artikeln. Ich kann meine Begleiterin gar nicht dafür begeistern. Im Einkaufscenter schaue ich im Supermarkt, in einer Drogerie und einem Schuhladen vorbei, während meine Begleiterin auf einer Bank mit unseren Taschen wartet. In den ersten beiden Geschäften werde ich fündig. Im Schuhladen nicht!

Beim Warten an der Bushaltestelle unterhalten wir uns über Tauben und ihre undankbare Rolle in unserer Gesellschaft. Ich liebe unsere Gesprächsthemen!


Zeit für mich

Bis zum Abendessen nutzt nun jede die Zeit für sich im Zimmer. Erst dekoriere ich ein bisschen mein Fenster mithilfe der neuen Kerze. Dann schreibe ich meinem Mann und einer Freundin, die mir den Impuls mit der Kerze gegeben hatte. Nach einem kurzen Powernap fühle ich mich immer noch müde. Ich lese etwas bis zum Abendessen.


Spieleabend

Danach wagen wir eine Runde Billard. Etwas unangenehm ist es uns, dass jemand dazu kommt und zuschaut. Mich packt dann immer mein Ehrgeiz – denn eine Niederlage unter Zeugen kann ich – oder mein Ego - ganz schlecht ertragen. Ich gewinne das Spiel tatsächlich!


Schließlich entscheiden wir uns für eine Runde Kniffel im Spielezimmer. Zwei Mitpatienten setzen sich dazu. Die eine erzählt mir, man habe mich gestern sehr wohl gehört. Es hätten aber viele Mitpatienten sich geäußert, dass es schön geklungen habe. Der andere beschwert sich, dass ich ihn nicht persönlich eingeladen habe (Er ist in meiner Gruppentherapie mit dabei).

Meine Tischnachbarin und ich wurden dann von der Mitpatientin überzeugt, noch einmal mit zum Billard zu gehen. Hier waren die „Profis“ am Werk. Wir kamen uns dagegen wie Amateure vor. Und doch wagten wir eine weitere Runde. Und stellten uns nicht schlecht an! Wieder lag der Sieg bei mir – diesmal aber „unverschuldet“.


Musik ist meine Leidenschaft

Im Anschluss setze ich mich wieder ans Klavier. Meine Finger kribbeln schon vor Ungeduld. Ich spiele erneut die Lieder vom Vortag. Bei „Für Elise“ kommt der Mitpatient dazu, der auf eine Einladung wartete. Ausgerechnet beim schwersten Stück erwischt er mich. Er bittet mich, das Stück auf dem Klavier im Eingangsbereich zu spielen, wenn ich es fertig eingeübt hätte. Und als ich erwähne, dass ich einige Jahre kaum mehr gespielt hätte, bemerkt er, es sei doch schön, dass ich diese Leidenschaft wieder ausübe. Recht hat er!

Als ich später den Raum verlasse, erwähnt die Mitpatientin vom Billard, sie hätten wieder ALLES gehört – unbemerkt rausschleichen war leider nicht möglich. Ich bin unsicher, ob es eine Beschwerde, ein schlichter Hinweis oder ein Necken sein soll. Daher weiß ich nicht, wie ich darauf antworten soll.

Ich lasse den Abend mit Chips, Kreuzworträtsel und einer Folge „Die Dinos“ ausklingen.


Sonntag, 15.10.2023

Vielleicht bin ich gestern doch zu spät ins Bett gekommen? Meine Augen sind am Morgen ganz klein.


Viel geschafft am Morgen

Ich motiviere mich zu 15 Minuten auf dem Stepper und zum Fitnesstraining. Ich habe wieder viele Geräte geschafft. Es war aber auch einiges los!


Dann habe ich Zeit zum Lesen und zum Nachschauen des Mentor-Teachings. Wenigstens die Hälfte schaffe ich vor dem Mittagessen. Beim Warten vor der Mensa spricht mit eine Mitpatientin an und empfiehlt mir einen Ausflug nach Wittenberg. Das werde ich im Hinterkopf behalten.


Gesundheitsmesse

Nach dem Mittag mache ich mich auf den Weg in den Kursaal zur Gesundheitsmesse. Vielleicht gibt es dort den ein oder anderen Impuls für mich. Allerdings bin ich etwas enttäuscht über das Angebot vor Ort. Ich drehe bei zwei Ständen am Glücksrad. Aber insgesamt fühle ich mich so alleine hier total unwohl. Angesprochen werde ich auch von keinem der Anbieter. Also gehe ich weiter in den Kurpark.


Trauer im Kurpark

Beim Rosengarten denke ich wieder an meinen Papa und mir fällt auf, dass genau vor einem Monat die Trauerfeier für ihn stattfand. Ich lasse meinen Tränen freien Lauf. Dann schaue ich bei den Wasserspielen vorbei. Die Kraft des Wassers lässt mich staunen.


Achtsamer Genuss

Ich überwinde mich, mich auf die Terrasse des Cafés im Kurpark zu setzen und einen Kakao zu bestellen. Diesen trinke ich sehr achtsam. Ich denke lange darüber nach, ob ich mir auch ein Stück Kuchen gönnen soll – und tatsächlich bestelle ich dann doch ein Stück Himbeertorte. Denn in der Reha wurde uns schließlich gesagt, wir sollen uns mal etwas gönnen. Richtig Genießen ist jedoch nicht möglich, da das Stück so groß ist!


Nach dem Bezahlen flaniere ich an der Häuserreihe weiter und nehme mir einige Flyer im Haus des Gastes mit. Ich wandere den Philosophenweg zur Reha-Klinik wieder hoch – dieser Zickzack-Weg mit der wundervoll herbstlichen Kulisse hat es mir angetan.


Reflexion & innere Arbeit

Auf dem Zimmer mache ich dann neue Listen bzw. Mindmaps: „Warum kann ich nicht loslassen?“ und „Was ich an Papa vermisse“. Dabei höre ich meine liebsten spirituellen Lieder und heule, was das Zeug hält. Das fühlt sich schmerzhaft und erleichternd zugleich an.


Tränen sind Tabu

Beim Warten vor der Mensa werde ich angesprochen, ob alles in Ordnung sei. Direkt habe ich wieder Tränen in den Augen, als meine Tischnachbarin hinzukommt. Ich frage mich, warum ich nicht verheult zum Essen gehen kann, wenn mir danach ist? Es scheint gesellschaftlich einfach so tabuisiert zu sein.


Austausch am Abend

Nach dem Essen ist mir nach einem Film. Und ich bleibe doch bei den „Dinos“ hängen. Vorher spiele ich aber noch etwas Gitarre. Ich übe das Zupfen mit ein paar Liedern, die ich z.T. auswendig spiele.

Plötzlich schreibt eine frühere Mitschülerin mich an. Sie hatte wohl den Impuls, weil sie mein Reel mit meinen Gedanken und Regenbildern von heute teilte. Auch ihr Vater ist in diesem Jahr an Krebs verstorben. Sie bot an, sich auszutauschen. Das nahm ich gerne an. Und wir schrieben hin und her. Ich fand es sehr tröstlich. Sie bot an, es ggf. zu wiederholen. Vielleicht ergibt es sich ja erneut.

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